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Kraftbaum


 

 

Weshalb ist bewusstes Verweilen in der Natur so gesund für uns?

Welche positiven Auswirkungen hat Waldbaden auf Körper, Geist und Seele?

Wie können wir umgeben von Waldluft unsere Achtsamkeit trainieren, Stress abbauen und unser Immunsystem stärken?

Diese und weitere Themen rund um die Natur & Gesundheit stehen im Mittelpunkt inspirierender Interviews. 

 

 

Apr 17, 2018

 

Joachim Welz arbeitet freiberuflich als Wegbegleiter und Geomant. Seine Spezialgebiete sind das Thema rund um die Hochsensibiltät und der Lebensweg als ein Entwicklungsweg des Menschen. Dabei nimmt die Verbindung mit der Natur einen wichtigen Platz ein.

 

Elevator-Pitch: Eine kurze Begegnung, in der du 10 Sekunden Zeit hast zu beschreiben was Du machst (in Bezug auf die Natur und Deine Arbeit)

Zur Zeit arbeite ich in eigener Praxis als Wegbegleiter und Geomant und mit einer halben Stelle als Naturtherapeut in einem Krankenhaus in der psychatrischen Station. Den Wald nutze ich dabei als Medium, in der sich der Mensch mit allen seinen Sinnen erfahren kann und in Kontakt mit den natürlichen Lebensprozessen und sich selbst kommt. Die Natur spricht automatisch alle Sinnebereiche an. Als „Therapeut“ gestalte ich durch Übungen das Setting derart, dass für den Menschen ein Raum entsteht, in dem er eine eigene Erfahrung machen kann, die Veränderungsprozesse in Gang setzen kann. Das geschieht zum Beispiel durch das Lenken der Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte und eine anschließende Vertiefung. Dabei nutze ich freie Naturerfahrungen, Achtsamkeits- und Wahrnehmungsübungen, Natur- und/oder Sinnesmeditation, Rituale, den Wald als Spielraum u.a.
Als Freiberufler biete ich verschieden Seminare oder Workshops zu einzelnen Aspekten an, oder nutze bei Bedarf für Klienten die Natur als Praxisraum.

 

Was ist Deine ganz persönliche Verbindung mit dem Wald/der Natur?

Ich bin als Kind mit dem Wald groß geworden. Mein „Hauswald“ war regelrecht hinter unserem Haus. Der Wald war mein Rückzugsort aus dem Alltag, der Schule und all dem, womit ich schlecht zurecht gekommen bin. Da konnte ich sein, so wie ich war, und das halte ich auch heute noch für eine der größten Ressourcen: Der Wald, oder die Natur lässt uns so wie wir sind, da können wir sein wer wir sind, da wird nichts von uns erwartet.
Ich habe bei der Gartenarbeit immer mit mir selber gesprochen, und wirklich gute Gespräche geführt, bis ich mich selber fragte, wo diese sagenhaft guten Antworten herkamen, und ich festgestellt habe, das ich immer im Kontakt mit den Pflanzen war.

Da habe ich gelernt, das da viel mehr hinter ist, hinter dem was wir so normal wahrnehmen. Für mich hat sich die „unsichtbare“ Welt dahinter zum großen Teil erschlossen. Wenn ich heute in den Wald gehe, vor allem in den Wald meiner Kindheit, dann bin ich ein Teil dieses Waldes. Ich bin da nie alleine. Wenn ich mit einer Frage in den Wald gehe, komme ich meistens auch mit einer wirklich guten Antwort raus. Heute gehe ich mit meinen beiden Jungs in den Wald meiner Kindheit und lasse sie ihre Erfahrungen und Abenteuer machen.

 

Wo siehst Du eine Möglichkeit unsere Gesundheit im Zusammenhang mit der Natur/dem Wald zu stärken?

Einfach rausgehen.
Viele sagen dass sie keine Zeit haben, oder wenn sie „dann mal Zeit haben“ in den Wald gehen. Ich halte es für wichtig Routinen zu haben. So wie ein Stundenplan: Samstag 10.00 Uhr Waldspaziergang.

Das kann helfen. Oder ein Hund, mit dem man dann raus geht. Und es muss nicht der Wald sein zu dem man erst einmal Stundenlang mit dem Auto hinfahren muss. Es kann auch ein Park sein, ein kleiner Grünstreifen, eine Grünanlage, oder sogar ein Friedhof. Auf manchen kann man sehr gut spazieren gehen. Oder man sucht sich einen „Lieblingsbaum“, den man regelmäßig besucht. In den Städten werden immer mehr Industrieanlagen renaturalisiert. Ich denke es gibt ganz viele Möglichkeiten wenn man möchte. Es scheitert in der Regel nicht an den Möglichkeiten, sondern an einem selbst.

 

Was hat Dich dazu bewegt, die Natur/den Wald mit in Dein berufliches Tun einfliessen zu lassen?

Beruf kommt von Berufung. Ich wurde berufen, und ich bin diesem Ruf gefolgt. Als ich vor über 15 Jahren an den Natur- und Wildniskursen teilgenommen habe wurde ich von vielen in meinem Umfeld belächelt. Es kam häufig die Frage, ob ich damit mal Geld verdienen kann. Diese Frage habe ich mir nie gestellt. Ich bin einfach meinen Weg gegangen, und dabei hat es sich so ergeben.

 

Welche Personen möchtest Du mit Deinem Angebot ansprechen?

 

Mein Angebot richtet sich an Menschen die sich entwickeln möchten. Häufig ist es leider so, dass wir erst in eine Krise geraten müssen, damit wir uns persönlich weiter entwickeln. Die Krise kann sich in Krankheit ausdrücken, ein Partnerkonflikt sein. Sinnfragen. Menschen die die größeren Zusammenhänge verstehen möchten. Z.B. Worauf weist mich meine Krankheit hin? Damit kommen Menschen aus der Opferrolle heraus. Sie sind nicht das Opfer einer Krankheit, sondern die Krankheit möchte sie auf etwas hinweisen. Durch diesen Perspektivenwechsel werden sie zum Gestalter ihres Lebens. Das ist ein völliges Umdenken für die meisten Menschen, aber es bietet plötzlich neue Perspektiven.
Was ich im einzelnen mit dem Menschen mache, hängt dann ganz von der Situation ab. Welches Thema trägt der Mensch an mich heran und was ist in diesem Moment die beste Unterstützung die ich geben kann. Beim nächsten Treffen ist es möglicherweise ganz anders. Wer eine Affirmation zur Natur hat, wird es vorziehen raus zu gehen und da etwas zu machen. Ich bin da ganz frei. Ich helfe dem Menschen in die Eigenverantwortung und Autonomie. Das ist ein Weg, auf dem ich den Menschen begleiten kann. Und das kann in der Natur stattfinden.

 

Was möchtest Du den Personen, die Dich auf Deinen Natur- und Waldgängen begleiten mitgeben, beziehungsweise worin möchtest Du sie unterstützen?

 

Was ist es dem Menschen wert, aus der „Opferrolle“ raus zu kommen und aktiver Gestalter seines Lebens zu werden?

Jeder Mensch trägt in sich selbst das Potential zur Lösung all seiner Probleme und Themen. Jeder Mensch ist in der Lage sich selbst zu heilen. Jeder Mensch trägt ein riesiges Potential in sich, das ein Teil des Ganzen ist. Jeder Mensch ist einmalig und hat einen festen Platz in der Schöpfung. Wir selber sehen das alles nicht in uns. Ich helfe den Menschen den Weg zu sich selbst zu finden.

Das kann für den Einzelnen ein längerer Weg sein. Dieser Weg fängt häufig damit an sich selber wahrzunehmen und seine eigenen Gefühle zu benennen. Da kommt jemand wegen einer aktuellen Krise, der denkt in der Regel nicht daran, was für ein Potential in ihm steckt. Der ist in diesem Moment in Not und ohne Lösung. In der Natur, im Wald können wir zur Ruhe kommen, in der Ruhe können wir uns dan wieder selber spüren, wenn wir bei uns selber sind, dann können wir anfangen dem aktuelle Problem auf den Grund zu gehen. Konkret heißt dass, mit ganz einfachen Sachen anfangen, über achtsames Gehen (oder Schleichen), und über die Sinneseindrücke, die durch Steuerung der Aufmerksamkeit gezielt verstärkt und gefördert werden kann. Einige brauchen Stille, die sie in der Natur finden, anderen schafft es den Raum frei über sich und ihre Themen zu reden.

Ich habe meine mir bestimmten Gaben für dieses Leben mitbekommen. Damit sehe ich den Menschen vor mir ganz anders und kann ihn da abholen. Die Gaben die wir in unserem Leben bekommen, sind dafür bestimmt, dan anderen zu unterstützen. Wir sind alles eins, und wenn ich den anderen so gut unterstütze wie es mir möglich ist, dann tue ich das letztendlich für mich. Damit schließt sich für mich der Kreis vom meinem eindrücklichsten Naturerlebnis wie oben beschrieben, zu meinem Beruf/Berufung und meiner Einstellung und den Umgang mit Menschen und was mich und mein Angebot auszeichnet. Das hört sich für manche vielleicht ein bischen abgehoben an, aber die Menschen, die das Verstehen, das ist meine Zielgruppe. Ob die Zusammenarbeit passt, stellt man ziemlich schnell im Kontakt fest.

 

 

Welchen letzten Tipp kannst Du uns mit auf den Weg geben?

Ich habe mal bei einem Seminar im Hamburg teilgenommen, das fand in einem schönen Privathaus mit großem Garten statt. Das Besitzerehepaar war schon im deutlichen Rentenalter, und die hatten einen alten Apfelbaum im Garten. Der war ziemlich krank, und auf dem wuchsen mehrer verschiedene Pilzarten. Die hatten extra einen „Baumdoktor“, der den Baum mit Präparaten behandelte. Ich habe mich dem Baum zugewand und zu ihm hin meditiert, dabei kam follgender Vers, den ich mit auf den Weg geben möchte:

 

Der Rat vom Apfelbaum

 

Ein Apfelbaum, der steht im Garten,

und wenn Du ihn fragst, kann er Dir verraten,

was das Geheimnis des Lebens ist,

was gar kein Geheimnis ist,

denn jeder hier, der tut es wissen,

nur wir, wir haben´s vergessen.

 

Buchempfehlung

Ich empfehle die Bücher beim Buchhändler in Ihrer Nähe zu beziehen.

Es gibt ganz viele gute und interessante Bücher, wie z.B. „Das letzte Kind im Wald“, „Mehr Matsch“, über Bäume und alles mögliche. Ich schlage hier mal zwei Bücher vor die schon etwas älter sind.
Zum einen das Buch „Rolling Thunder“ von Doug Boyd. Der Autor hat zu wissenschaftlichen Zwecken den indianischen „Schamanen/Medizinmann“ Rolling Thunder über einen längeren Zeitraum begleitet. Daraus ist dann eine Freundschaft erwachsen und dieses lesenswerte autobiografische Buch, das sich wie ein Roman liest. Da sind für mich viele Beispiele drin, was möglich ist, wenn wir uns auf unseren Weg im Einklang mit der Natur machen. Das Buch hat für mich auch deshalb einen besonderen Stellenwert, weil ich einiges bei Mala Spotted Eagel, dem Sohn von Rolling Thunder lernen konnte.

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Als zweites empfehle ich das Buch „Mira und der Kreidestrich“ von Christiane Sautter. Das Buch ist eigentlich für Kinder geschrieben, und erzählt die Geschichte der kleinen Mira, die Kontakt zu den Naturwesen im Wald bekommt. Es ist eine genial geschrieben Anleitung, sehr kurzweilig und auch für Erwachsene schön zu lesen.

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Ressourcenquelle 


Ich halte es für sehr effektiv sich im Verlauf des Tages Zeit zu nehmen für sich selber. Z.B. in Form von kleinen Ritualen wie die tägliche Danksagung, bei der ich meine Dankbarkeit ganz konkret ausdrücke. Kurz in sich zu gehen, dadurch, dass ich einfach mal still sitzenbleibe. Das muss nicht einmal eine Meditation sein. Sondern vielleicht ein paar Minuten morgens und Abends innehalten bei einem Tee oder Kaffee, einen Tagesspruch lesen, bewusst Atmen. Da kann jeder für sich selbst herausfinden, was ihm gut tut. Eine Freundin von mir schreibt jeden Morgen ein paar Zeilen mit der linken Hand. Da kommen manchmal ganz erstaunliche Sachen heraus.

 

 

Website 

www.Joachim-Welz.de

 

Kontaktdaten von Joachim Welz

mail(at)Joachim-Welz(Punkt)de